Start Ölkrise Schwimmen wir in Öl?
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Geschrieben von: Administrator   
Montag, 28. September 2009 um 18:52 Uhr

Eigentlich wollten wir an dieser Stelle die jüngst recht inflationär verbreiteten Meldungen über neue Ölfunde kommentieren, wegen denen man angeblich das Thema Peak Oil/Hubbert-Maximum vorerst vergessen könne (etwa auf WON, SPON oder in der New York Times). Dankenswerterweise hat uns aber ausgerechnet der FOCUS die Arbeit abgenommen und einen sehr lesenswerten und durchaus ausgewogenen Artikel zum Thema gebracht, in dem von der Abiotik bis zum EROEI alles auftaucht, was derzeit wichtig zu wissen ist. Vielen Dank dafür nach München!

Das Problem mit dem Hubbert-Maximum ist ja nicht, dass überhaupt kein Öl mehr gefunden oder gefördert würde – das Problem ist, dass die alten Felder (etwa das in dem Focus-Artikel angesprochene mexikanische Cantarell, das größte Offshore-Feld der Welt, das in den ersten sieben Monaten 2009 bereits einen Rückgang der Fördermenge um 35 % verzeichnen musste) schneller leer werden, als neue gefunden werden und in Produktion gehen. In diesem Zusammenhang hat auch der unermüdliche Sadad al-Huseini (ehemaliger Vize der saudischen Ölgesellschaft Aramco, wurde Ende 2007 bekannt, als er als erster saudischer Brancheninsider von einer nahenden Obergrenze der Förderung sprach) ein Interview gegeben, in dem er die neuerlichen Ölfunde in die rechte Perspektive rückt:

 

Am Ende ist es einfach so, dass es nicht genug Förderprojekte gibt. Es wird nicht genügend neue Kapazität verfügbar sein, sagen wir in den nächsten fünf bis sechs Jahren, um den weltweiten Förderrückgang aufzuwiegen. Und selbst das nur unter der Voraussetzung eines sehr moderaten Förderrückgangs – 6 bis 6,5 % für Nicht-OPEC-Länder, vielleicht 3,5 bis 4 % für die OPEC.

Sogar bei derart moderaten Förderrückgängen müssen wir mehr oder weniger innerhalb von zwei bis drei Jahren mit Kapazitätsmängeln rechnen. Wir werden momentan von dieser enormen Überschusskapazität eingelullt, die alles mit dem Nachfragerückgang, aber nichts mit der Förderkapazität zu tun hat. Wir haben also bereits kurzfristig ein Problem. Langfristig wird es noch schlimmer, weil bis zu 10 Jahre vergehen können, bevor ein neu gefundenes Ölfeld so weit entwickelt wird, dass es in Förderung gehen kann. Und es wird langfristig auch insgesamt zu wenig getan. Das Problem ist also sowohl kurz- als auch langfristiger Art. [...]

Es gibt in der Tat jede Menge Herausforderungen bei diesen neuen Feldern, für die erst noch technische Lösungen gefunden werden müssen. Also ja, es gibt diese Funde, sie sind bedeutend, aber sie können nur langsam entwickelt werden. Wenn das Tupi-Feld, das schon vor ein paar Jahren gefunden wurde [2007, oelschock.de], erst 2017 oder 2018 in Produktion geht, ist das schon eine lange Zeit. Wie viel wollen sie dort fördern? Eine Million Fass Öl am Tag. Einen globalen Förderrückgang in dieser Höhe werden wir schon wesentlich früher erleben. Wir kommen also im Grunde nicht mehr voran.

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Zuletzt aktualisiert am Montag, 28. September 2009 um 20:22 Uhr