Start Ölkrise Colin Campbell: Die Zukunft liegt auf dem Dorf
Colin Campbell: Die Zukunft liegt auf dem Dorf PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Dienstag, 26. Mai 2009 um 19:38 Uhr

Den britischen Erdölgeologen Colin Campbell darf man mit Fug und Recht als den „großen alten Mann“ der Peak-Oil-Gemeinde bezeichnen. Campbell war es, der 1998 zusammen mit seinem Kollegen Jean Laherrère im Scientific American den Artikel The Coming Oil Crisis veröffentlichte, mit dem das seit dem Tod M. King Hubberts und der Ölschwemme der späten 1980er beinahe in Vergessenheit geratene Thema wieder in die Debatte gebracht wurde. Campbell war es auch, der zwei Jahre später die Association for the Study of Peak Oil and Gas (ASPO) gründete und dieser Debatte damit institutionellen Rückhalt gab. In vielen Dokumentarfilmen wie The End of Suburbia, Der Ölcrash oder Peak Oil – Imposed by Nature hat er das geologisch bedingte Problem ebenso verständlich wie eindringlich für das allgemeine Publikum erklärt.

Campbell ist heute 78 und verbringt seinen Ruhestand in einem Dorf im Westen Irlands. Er ist etwas reisemüde geworden und hat sich vor kurzem aus der aktiven Mitarbeit bei der ASPO zurückgezogen, umso erfreulicher war es für die deutsche ASPO-Sektion, ihn vor kurzem auf ihrer in Berlin abgehaltenen Jahrestagung begrüßen zu können (wir berichteten). Der Journalist Paul Nellen führte anlässlich dieses Besuchs ein Interview mit dem Ölindustrie-Veteranen (Original hier), in dem Campbell warnt, dass die „Zeit für Lösungen abläuft“, und er die Rückkehr zu einem einfacheren Leben auf dem Land propagiert.

Er selbst werde nun nicht mehr so aktiv in die Debatte eingreifen, weil es eigentlich nicht mehr um das Ölfördermaximum selbst, sondern nur noch um dessen Konsequenzen ginge, und auf diesem Gebiet sei er keinesfalls Experte. Einige Regierungen – Cambell nennt ausdrücklich Großbritannien – hätten das Problem immer noch nicht begriffen, und selbst wenn dies teilweise zutreffe, wie etwa in Schweden und Irland oder im Fall von Andres Piebalgs, dem EU-Energiekommissar, wäre es für die entsprechenden politischen Einzelkämpfer enorm schwierig, gegen den hohen Gegendruck aus Wirtschaft und weiten Teilen der Politik konstruktive Gegenmaßnahmen zu initiieren, weil die Konsequenzen so gravierend seien. „Am Besten wäre es“, so scherzte Campbell, „wenn Russland für fünf Tage die Erdgasversorgung unterbricht, damit endlich alle aufwachen und die Gefahr begreifen.“

Von Politik und Wirtschaft sei aber letztendlich ohnehin nicht viel zu erwarten, da Politiker in der Regel Probleme so lange wie möglich ignorierten und Großunternehmen zu sehr Teil des bestehenden Systems seien, als dass sie sich aus dessen Sichtweise lösen könnten. Am Besten verstünden das Problem eigentlich „einfache Leute“, denen man nicht erst groß erklären müsse, dass es für alles eine Grenze gebe. Daher sei eine Aufklärung über Konsequenzen des Hubbert-Maximums auch vor allem in lokalen Zusammenhängen sinnvoll; davon ausgehend könne man versuchen, größere Machtstrukturen zu beeinflussen. Ein gutes Beispiel dafür sei die „Transition Town“-Bewegung, deren Weg hin zur Regionalisierung oder sogar Lokalisierung von Wirtschaftskreisläufen zur Reduzierung des Energieverbrauchs („Powerdown“) für Campbell letztlich den richtigen Weg weist.

Das Ölfördermaximum bedeute einen Wendepunkt in der Menschheitsgeschichte, aber es sei eben nicht nur Bedrohung, sondern auch eine Chance. Wir stünden vor enormen Herausforderungen, und bis Ende des Jahrhunderts würde die Weltbevölkerung wahrscheinlich einen Rückgang von bis zu 50 % erleben, aber für die Überlebenden bestünde auch die Chance zu einem besseren Leben als heute. In den Städten könnte es in Zukunft ungemütlich werden, aber das traditionelle Dorfleben mit all seinen Annehmlichkeiten werde vielleicht eine Renaissance erleben, und dies ausgerechnet von den „verrückten Hippie-Kommunen“ ausgehend, die man in Zukunft vielleicht nicht mehr als Fehlschlag, sondern als Aufbruch in die Zukunft verstehen werde. Dafür sei allerdings eine Revolution des Bildungswesens erforderlich: „Wir brauchen nicht mehr so viele Kernphysiker, Pflugtreiber werden nützlicher sein.“

Für ein großes Umsteuern zur Rettung der Industriegesellschaft, so Campbell, sei es letztendlich bereits zu spät. Ölquellen ließen sich nicht durch Windräder ersetzen, vor allem nötig sei vielmehr ein radikales Umdenken und entsprechende Verhaltensänderungen. Auch in dem bekannten „Hirsch Report“, dem zufolge wir 20 Jahre Vorlauf bräuchten, um bei Eintreten des Hubbert-Maximums keine gravierenden Probleme zu bekommen, ginge es letztendlich nur um den Wunsch, „irgendwie“ die bestehende Lebensweise aufrecht zu erhalten. Dies sei aber nicht möglich, und erneuerbare Energien seien enorm wichtig und bedeuteten einen Schritt richtige Richtung, aber eine Fortsetzung des bisherigen Wirtschaftswachstums sei damit nicht möglich, nicht einmal die Aufrechterhaltung des Status Quo; allerdings könnten sie den bevorstehenden Übergang erleichtern.

Auch zwischen der aktuellen Wirtschafts- und der Energiekrise sieht Campbell eine enge Verbindung: Die Logik des ewigen Wirtschaftswachstums setze die unendliche Verfügbarkeit billiger Energie voraus, sobald diese nicht mehr gegeben war, seien die Schulden, deren Rückzahlung ohne ewiges Wachstum nicht möglich sei, nicht mehr zu bedienen gewesen, und dann habe es eben gekracht. Unendliches Wachstum sei nun einmal auf einem kugelförmigen Planeten mit begrenzten Ressourcen nicht möglich. Auch für die nächsten fünf bis sechs Jahre sei keine Rückkehr zu „Business-as-usual“ zu erwarten, eine leichte Erholung könnten die Regierungen durch Anwerfen der Gelddruckmaschinen erreichen, aber jede Erholung werde zu einem erneuten Anstiegen der Energiepreise führen und dadurch weiteres Wachstum langfristig verhindern.

Kommentare

avatar Rolf
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recht hat er. Auch wenn er in seinem Zeitrahmen bezgl. PO nicht korrekt gelegen hat. Das Zahlenmaterial ist halt abhängig von denen die es liefern können. Sprich den Betreibern der Quellen....

die Zukunft geht ins Dorf, in kleine Gemeinschaften die sich soweit wie möglich abkoppeln vom Staatsapparat, vom eigens erschaffenen Hamsterrad des ewigen Wachstums. Die Zukunft gehört kleinen Gemeinschaften die sich autark stellen. Soweit es der Saat den zuläßt. Man will ja die Krabben alle im Korb belassen sehen;-)

Die Party ist längst vorbei. In der gauß´schen Normalveteilung braucht diese Erkenntnis noch ein paar Jahre. Leider.

Gruß Rolf
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Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 27. Mai 2009 um 07:03 Uhr